Durchführungsdiagnose: Was frequenzbasierte Prüfungen in einem 230 kV Fall gezeigt haben

12 Mai 2026
-
Hochspannungs- und Höchstspannungsdurchführungen gehören zu den kritischsten Isolationskomponenten eines Transformators.
5 Min. Lesezeit

Wenn sich eine Durchführung intern zu verschlechtern beginnt, können die Folgen gravierend sein, weshalb eine genaue Zustandsbewertung von entscheidender Bedeutung ist.

Routinemäßige Offline-Prüfungen von Durchführungen konzentrieren sich üblicherweise auf Kapazitäts- und Verlustfaktormessungen der C1- und C2-Isolation bei Netzfrequenz. Diese Prüfungen bleiben essenziell, bieten jedoch nicht immer ausreichende Empfindlichkeit, um zwischen interner Isolationsdegradation und externen Faktoren wie Erdung oder Installationsproblemen zu unterscheiden. Dies stellt Wartungsteams vor ein Problem: Ein abnormales Ergebnis kann auf einen echten Defekt hinweisen oder auf etwas völlig anderes.

Eine aktuelle Untersuchung an drei 230 kV OIP-Durchführungen zeigt, wie frequenzbasierte dielektrische Prüfungen zusätzliche Erkenntnisse lieferten, die eine Bewertung jeder Durchführung mit höherer Sicherheit ermöglichten.

 

Wenn routinemäßige Prüfergebnisse mehr Fragen als Antworten aufwerfen

 

Die Untersuchung begann während einer routinemäßigen Verlustfaktormessung an drei 230 kV Durchführungen. Die 50 Hz Messungen zeigten unauffällige Ergebnisse für Phase A und Phase C, beide lagen innerhalb der zulässigen Grenzwerte. Phase B hingegen zeigte einen deutlich höheren Verlustfaktorwert und wies damit auf ein mögliches Isolationsproblem hin.

Zu diesem Zeitpunkt ergaben sich drei zentrale Fragen. Wurde Phase B durch die Verschlechterung der internen Isolierung beeinträchtigt oder wurde das anormale Ergebnis durch ein externes Problem wie eine schlechte Erdung verursacht? Sind die scheinbar unauffälligen Ergebnisse von Phase A und Phase C tatsächlich beruhigend? Oder verbirgt eine dieser Durchführungen möglicherweise noch ein Problem im Frühstadium, das durch die 50 Hz Prüfung nicht eindeutig erkannt wurde?

Eine Wartungsentscheidung allein auf Basis dieser Ergebnisse wäre schwierig gewesen. Ein Austausch von Phase B ohne Kenntnis der Ursache hätte zu einer unnötigen Maßnahme führen können, während die Annahme, dass die Phasen A und C in Ordnung sind, ein sich entwickelndes Problem möglicherweise unentdeckt gelassen hätte. Um ein klareres Bild des Isolationszustands der Durchführung zu erhalten, wurde die Untersuchung über die 50 Hz Messung hinaus auf frequenzbasierte dielektrische Prüfungen erweitert.

 

Nutzung der Frequenzantwort zur Trennung unterschiedlicher Probleme

 

Frequenzbasierte dielektrische Prüfverfahren bewerten das Isolationsverhalten über einen Bereich von Prüffrequenzen hinweg und nicht nur an einem einzelnen Frequenzpunkt. Dies ermöglicht eine detailliertere Sicht auf den Isolationszustand, da unterschiedliche Degradationsmechanismen die dielektrische Antwort unterschiedlich beeinflussen. Durch die Analyse der Verlustfaktorwerte im Bereich von 1 Hz bis 500 Hz können unterschiedliche Muster erkannt werden, die auf verschiedene Problemarten hinweisen.

In diesem Fall ergab die Frequenzganganalyse drei deutlich unterschiedliche Zustände bei den drei Durchführungen.

 

Phase B: Interne Isolationsdegradation

 

Die Durchführung der Phase B zeigte bei 1 Hz einen sehr hohen Verlustfaktor, der nach Temperaturkorrektur über 7 % lag. Mit steigender Prüffrequenz sank der Verlustfaktor deutlich in Richtung des 50 Hz Ergebnisses. Dieses charakteristische Antwortverhalten, häufig als „Ski Slope“ Kurve bezeichnet, ist ein starker Hinweis auf eine interne Verschlechterung der Isolation.

Typische Ursachen sind Feuchtigkeitseintritt in die Papierisolierung oder starke Ölalterung. Zusätzliche spannungsabhängige Effekte während der Messung unterstützten diese Diagnose. Nach dem Austausch der Durchführung von Phase B bestätigten anschließende Prüfungen, dass das anomale dielektrische Verhalten nicht mehr vorhanden war.

 

Phase A: Erdungs- oder Installationsproblem

 

Die Durchführung der Phase A erschien bei der Prüfung mit 50 Hz zunächst unauffällig. Die Frequenzkurve zeigte jedoch erhöhte dielektrische Verluste bei höheren Frequenzen. Dieses Muster deutet darauf hin, dass das Ergebnis eher durch einen externen Einfluss als durch interne Isolationsdegradation verursacht wurde. In vielen Fällen weist dieses Antwortverhalten auf eine mangelhafte Erdverbindung zwischen dem Flansch der Durchführung und dem Transformatorbehälter hin.

Nach dem Anbringen eines temporären Erdungsbands und der Wiederholung der Prüfung lagen die dielektrischen Verluste wieder im normalen Bereich. Damit wurde bestätigt, dass das Problem auf die Erdung zurückzuführen war und nicht auf die Isolierung selbst.

 

Phase C: Guter Isolationszustand

 

Die Durchführung der Phase C zeigte über den gesamten Prüffrequenzbereich eine flache und stabile Frequenzgangkurve. Der temperaturkorrigierte 1 Hz Leistungsfaktorwert blieb deutlich unter typischen Untersuchungsgrenzwerten. Dieses Verhalten entspricht einer trockenen, sauberen Isolation und einer korrekten Installation. Anders gesagt: Die frequenzbasierte Prüfung bestätigte nicht nur das Bestehen der 50 Hz Prüfung, sondern zeigte deutlich, dass sich die Durchführung von Phase C in einem guten Zustand befindet.

 

Was dieser Fall in der Praxis zeigt

 

Der Wert der frequenzbasierten Diagnostik lag hier nicht allein in der Fehlererkennung. Wichtiger war, dass jede Durchführung mit höherer Sicherheit bewertet werden konnte. Diego hob diese entscheidungsunterstützende Funktion in seiner Bewertung ausdrücklich hervor und betonte, dass die frequenzbasierte Analyse nicht zwangsläufig die Entscheidung verändert, sondern die zugrunde liegende Informationsbasis stärkt.

Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich ableiten.

Erstens können Messergebnisse bei niedrigen Frequenzen einen klareren Hinweis auf eine interne Isolationsdegradation liefern als Prüfungen bei Netzfrequenz allein. Ein starker Anstieg desVerlustfaktors bei etwa 1 Hz weist häufig auf Feuchtigkeit oder fortgeschrittene Alterung hin.

Zweitens kann die Form der Frequenzgangkurve dabei helfen, zwischen internen Isolationsproblemen und externen Einflüssen wie Erdungs- oder Installationsfehlern zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Korrekturmaßnahmen völlig anders sind.

Drittens liefert ein stabiles Verhalten über den gesamten Prüffrequenzbereich eine deutlich stärkere Bestätigung eines einwandfreien Isolationszustands als ein einzelnes unauffälliges Ergebnis bei 50 oder 60 Hz.

Zusammen ermöglichen diese Erkenntnisse eine über reine Zahlen hinausgehende Bewertung. Sie erklären die wahrscheinliche Ursache und unterstützen eine fundiertere Wartungsentscheidung.

 

Von Diagnosedaten zu sichereren Entscheidungen

 

Dieser Fall zeigt den Nutzen der Kombination aus konventionellen Isolationsprüfungen und frequenzbasierter Diagnostik. Standardmessungen bei 50 bzw. 60 Hz bleiben ein wesentlicher Bestandteil der Bewertung von Durchführungen, liefern jedoch nicht immer ausreichende Informationen, wenn die Ergebnisse uneindeutig sind. Frequenzbasierte Prüfverfahren erweitern die diagnostische Aussagekraft und unterstützen die Techniker dabei, interne Isolationsdegradation von äußeren Einflüssen zu unterscheiden sowie den einwandfreien Zustand von Durchführungen mit höherer Sicherheit zu bestätigen.

Dadurch wird die Qualität von Instandhaltungsentscheidungen verbessert und das Risiko unnötiger Austauschmaßnahmen reduziert. Anlagenmanager können sich auf Eingriffe konzentrieren, wo sie tatsächlich erforderlich sind.

Eine Änderung der Prüffrequenz ersetzt etablierte Prüfverfahren nicht. Vielmehr werden damit mehr Informationen verfügbar gemacht, um fundierte Anlagenentscheidungen treffen zu können.

 

Erfahren Sie mehr über die frequenzbasierte Durchführungsdiagnose

 

Die frequenzbasierte Isolationsdiagnose ermöglicht ein tieferes Verständnis des Zustands von Durchführungen und kann sich entwickelnde Probleme aufdecken, die durch routinemäßige Prüfungen nicht eindeutig erkannt werden.

Um mehr darüber zu erfahren, wie dieser Ansatz Wartungsentscheidungen unterstützt, können Sie erkunden, wie das TRAX Prüfsystem frequenzbasierte Isolationsdiagnosen über Transformatoranlagen hinweg ermöglicht.

Explore our insulation test systems